An den Hängen des Vesuvs wurden bisher insgesamt etwa 30 Landgüter gefunden, in denen meist Wein, Oliven und Getreide angebaut wurde. Eine dieser Landvillen, die Villa Regina, liegt in Boscoreale, nicht weit von den Ausgrabungen von Pompeji entfernt.
Die Villa Regina stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und wurde im Laufe der Jahre mehrfach erweitert. Die Landvilla (villa rustica), die heute etwa 8 Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus liegt, wurde zwischen 1977 und 1980 ausgegraben. Dabei kamen unter anderem karbonisierte Reste von Bäumen, der Eingangstüren und eines Schweins ans Licht, von denen bei den Ausgrabungen Gipsabdrücke angefertigt wurden und die hier heute zu sehen sind. Weitere Funde belegen, dass hier vor allem Wein hergestellt wurde.
Das Gebäude besteht aus mehreren Räumen, die sich um einen zentralen Innenhof gruppieren. Vom Haupteingang im Westen, neben dem sich auf der linken Seite ein Lagerraum und rechts ein Schlafraum befanden, gelangte man direkt in den an 3 Seiten mit Säulen umgebenen Innenhof.
Im nördlichen Bereich des Gebäudes befand sich die Kelter (torcularium) mit Bottichen zum Stampfen der Trauben und einer Weinpresse. Der so gewonnene Traubensaft wurde zunächst in einem großen Bottich gesammelt, bevor er in die insgesamt 18 Tongefäße (dolia) abgefüllt wurde, in denen der Traubensaft zu Wein vergoren wurde. Diese waren in einem Bereich des Innenhofs eingelassen und konnten insgesamt bis zu 10.000 Liter Wein fassen.
Östlich der Kelter befand sich die Küche mit einem gemauerten Herd und einem Ofen. Neben dem Kücheneingang war in die Wand ein Lararium im Tempelstil mit dem Marmorkopf des Weingottes Bacchus eingelassen. Im östlichen Teil gab es ein kleines Speisezimmer (triclinium) mit Fresken im 4. Pompejanischen Stil und eine Scheune mit angeschlossener Tenne. Im Südwesten lagen Schlafräume und eine Zisterne und im Obergeschoss die Quartiere der Bediensteten.
Direkt neben der Villa Regina zeigt das Antiquarium seit 1991 in der Ausstellung „Mensch und Umwelt im Gebiet des Vesuvs“ die Funde aus den Villen von Boscoreale. In Raum 1 befinden sich archäologische Funde, die die Nutzung des Vesuvgebiets unter folgenden Aspekten dokumentieren: „Das Meer und die Küste“, „Die Ebene“, „Die Berghänge“, „Der Berg“, „Urbane Grünflächen“, „Ackerbau und Viehzucht“, „Die Heilkunde“, „Die Kosmetik“, „Die religiöse Welt“ und „Textil- und Färbetechniken“. Raum 2 zeigt die Funde aus der Villa Regina und den weiteren Villen von Boscoreale, wie der Villa von Publius Fannius Synistor, der Villa Pisanella, der Villa von Numerius Popidius Florus oder der Villa von Marcus Livius Marcellus.
Die Villen von Boscoreale wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts von Privatpersonen (meist den Grundbesitzern) ausgegraben, oft ohne jegliche wissenschaftliche Expertise. Dabei suchten diese vorwiegend nach Fresken, Mosaiken und Schätzen und schütteten die Ausgrabungen anschließend meist wieder zu. Einige der Funde sind im Antiquarium zu sehen, die schönsten und wertvollsten jedoch sind in unzähligen Sammlungen auf der ganzen Welt verteilt. So wird beispielsweise der „Schatz von Boscoreale“ aus der Villa Pisanella heute im Louvre aufbewahrt, während die Wandfresken aus der Villa von Publius Fannius Synistor nun im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt sind.
Die Villa Regina ist nur von außen zu besichtigen, das Antiquarium jedoch täglich gegen Eintrittsgebühr. Mit der campania artecard oder diversen Kombitickets (z.B. mit Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabia) reduziert sich der Eintrittspreis.
Lage: Antiquarium e Scavi di Boscoreale, Viale Villa Regina 1, 80041 Boscoreale