Die Rekonstruktion der Saalburg wurde vom antikenbegeisterten Kaiser Wilhelm II. um 1900 in Auftrag gegeben. Obwohl diese Rekonstruktion nach heutigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand nicht ganz korrekt ist, lässt die Saalburg noch heute in beeindruckender Weise die römische Antike wiederauferstehen.
Die Saalburg, die zwischen etwa 90 n. Chr. und 260 n. Chr. einen wichtigen Limesdurchgang am Obergermanisch-raetischen Limes sicherte, ist das heute am vollständigsten wiederaufgebaute und das wohl am besten erforschteste Kastell am Limes. Es liegt etwa 150 Meter hinter dem Limesverlauf und direkt an einem Pass über den Taunus, der von Provinzhauptstadt Nida (heute Frankfurt-Heddernheim) ins Gebiet der Germanen führte.
Die ersten kastellartigen Erdschanzen wurden um 85-90 n. Chr. östlich des heutigen Kastells vermutlich von einer Vexillationseinheit errichtet und waren eher befestigte Zeltlager, die in den Chattenkriegen den Pass über den Taunuskamm sichern sollten.
Um 90 n. Chr. folgte dann ein etwa 0,7 ha großes Holz-Erde-Kastell, in dem eine namentlich nicht bekannte Numeruseinheit mit ca. 160 Mann stationiert war. Die Kastellumwehrung bestand aus Holzpalisaden, die mit Erde und Flechtwerk verstärkt und durch einen breiten vorgelagerten Graben und Holztürme an den Kastellecken geschützt wurde.
Um 135 n. Chr. wurden das Numeruskastell komplett abgerissen und stattdessen ein 147 x 221 m (3,2 ha) großes Kohortenkastell für die etwa 500 Mann starke Cohors II Raetorum civium Romanorum gebaut. Mit seinen 4 Toren, den umlaufenden Doppelspitzgräben und einer Steinmauer mit Holzpalisaden war dieses Kastell bereits deutlich stärker befestigt als das vorhergehende.
In einer weiteren Umbauphase in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts wurde dann die Umwehrung durch eine komplett aus Stein errichtete Steinmauer ersetzt. Auch die Verwaltungs- und Stabsgebäude im Inneren wurden aus Stein errichtet, während die Mannschaftsbarracken und die Werkstätten noch aus Holz waren. Die 4 Lagertore hatten je 2 Wachtürme und das Haupttor war als Doppeldurchfahrt angelegt, während die anderen nur eine einfache Durchfahrt besaßen. Im Lagerinneren diente eine Erdrampe als Zugang zur mit Zinnen bewehrten Mauerkrone mit den turmlosen abgerundeten Lagerecken, außen schützte weiterhin ein Doppelgraben das Kastell.
Vor dem im Südosten gelegenen Haupttor (porta praetoria) außerhalb des Kastells, wo sich auch das Kastellbad und eine Straßenstation (mansio) befand, war das Lagerdorf im Lauf der Zeit stark angewachsen und bot wohl zwischenzeitlich etwa 2000 Menschen Obdach. Hier gab es zahlreiche Wohn- und Handwerkerhäuser, Wirtshäuser, Heiligtümer und auch ein Gräberfeld.
Im Zuge der Aufgabe der Limesregionen nach den Alamanneneinfällen und den Rückzug der Römer hinter die Rheingrenze wurde die Saalburg wohl um 260 n. Chr. kampflos aufgegeben.
Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen wurden bereits zwischen 1853 und 1862 durchgeführt. Die komplette Rekonstruktion des Kastells erfolgte dann ab 1897 durch Betreiben des Kaisers Wilhelm II. durch die wenige Jahre zuvor gegründete Limeskomission, und dauerte bis 1907 an. Grundsteinlegung war 1900 durch den Kaiser persönlich.
Hierbei wurden die Außenmauer mit doppeltem Spitzgraben und innen liegendem Erdwall, die 4 Lagertore, das Stabsgebäude (principia) mit Vorhalle (Appellhalle) und Fahnenheiligtum (aedes), das Wohnhaus des Kommandanten (praetorium), die Speicher (horreum), 2 Mannschaftsbaracken (centuriae) mit den Soldatenunterkünften (contubernia) und die Werkstätten (fabrica) rekonstruiert.
Außerhalb des Kastellgeländes wurden die Reste des Kastellbads und von Streifenhäusern des ehemaligen Straßendorfs (vicus) ausgegraben. Das Gräberhaus, das Mithraeum und eine Jupitersäule sind Nachbildungen ohne direkten Bezug zu tatsächlichen Ausgrabungen in der Saalburg. Im Norden des Kastells wurde ein Teilstück des Limes mit dem Limesdurchgang rekonstruiert.
Neueste Forschungen ergaben, dass zwischenzeitlich einige Aspekte der Rekonstruktion wissenschaftlich nicht mehr haltbar sind. So war beispielsweise an den Außenseiten des Kastells kein rohes Mauerwerk zu sehen, sondern ein mit Fugenstrich versehener Putz, der einen Eindruck von imposanten Steinquadern erwecken sollte. Auch die Zinnen hatten einst deutlich größere Abstände, da die Soldaten beim Verwenden der üblichen Wurf- und Schleuderwaffen mehr Platz benötigten. Dennoch kann man sich in der Saalburg auch heute noch einen guten Eindruck über das Aussehen und die Funktionsweise eines römischen Kastells am Limes verschaffen.
Bei einem Besuch des Archäologischen Parks und der Saalburg sind folgende Gebäude und Stationen sehenswert:
- Stabsgebäude (principia): im Zentrum des Kastells gruppierten sich die Schreibstuben, Amtsräume und die Waffenkammer um einen schönen Innenhof. Die große Vorhalle diente wahrscheinlich zum Appell. Neben einer Dauerausstellung, in der als Highlight ein vergoldeter Pferdekopf aus Waldgirmes zu sehen ist, sind hier heute u.a. das rekonstruierte Fahnenheiligtum und ein Triclinum mit Wandmalereien untergebracht.
- Speicher (horreum): diente als Getreide- und Vorratsspeicher. In der Dauerausstellung sind originale Funde aus der Saalburg und anderen Limeskastellen ausgestellt und präsentieren sich in den Themenbereichen Essen und Trinken, Bauen und Handwerk, Waffen und Ausrüstung, Kleidung und Schmuck, Medizin und Körperpflege, Geldwesen und Religion.
- Werkstattgebäude (fabrica): hier lag die Feldschmiede und andere Werkstätten, in der meist dienstältere Soldaten Dienst taten. Heute sind neben Ausstellungsräumen auch die rekonstruierten Werkstätten eines Beinschnitzers und eines Schuhmachers und eine Garküche zugänglich.
- Mannschaftsbaracken (centuriae): in den langgestreckten Gebäuden befanden sich die Unterkünfte der Soldaten. In jeder der 10 Mannschaftsstuben (contubernium) wohnten dabei 8 Soldaten zusammen, im Kopfbau der Baracke befand sich die Wohnung des Centurio. Heute kann man eine rekonstruierte Stube besichtigen. Außerdem ist in einer der beiden Baracken die nach Vorbildern aus Pompeji ausgestattete „Taberna“ der Saalburg untergebracht, in der auch römische Speisen serviert werden.
- Haus des Kommandanten (praetorium): Hier lagen die privaten Räume des Lagerkommandanten. Heute sind hier ein Forschungsinstitut und die Museumsverwaltung untergebracht.
Der Rundweg im archäologischen Park führt über 2,4 km (ca. 45 Minuten) rund um das Außengelände der Saalburg. Beginn ist am Kassenhäuschen, das wie der danebenliegende Museumsshop einem römischen Streifenhaus des römischen Straßendorfs nachempfunden ist. Von hier aus erfährt man an Informationstafeln allerlei Wissenswertes über folgende Stationen: die beiden römische Schanzen, einen Limesdurchgang mit Limespalisade, zwei Modellschanzen (hier wurden zu wilhelminischer Zeit in experimenteller Archäologie römische Schanzen nachgebaut), eine „inszenierte Landschaft“ (so stellte man sich in wilhelminischer Zeit ein römisches Dorf vor), eine Jupitersäule, ein Gräberhaus, ein Mithras-Heiligtum und das Straßendorf.
Die Saalburg ist Teil des UNESCO-Welterbes “Grenzen des Römischen Reiches” und ist von März bis Oktober täglich, von November bis Februar täglich außer montags gegen Eintrittsgebühr geöffnet. Die Taberna ist montags und im Januar geschlossen und auch nur mit Eintrittskarte zum Archäologischen Park zugänglich.
Führungen sind gegen Aufpreis buchbar und es gibt eine Kombikarte mit der Keltenwelt am Glauberg. Es finden regelmäßige Sonderausstellungen, Veranstaltungen, (Erlebnis-)Führungen, Themen- und Backtage sowie Kochveranstaltungen und Workshops statt.
Lage: Römerkastell Saalburg Archäologischer Park, Am Römerkastell 1, 61350 Bad Homburg vor der Höhe
Link: www.saalburgmuseum.de